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Die Bedeutung der Ausbildung für die Pflegebranche

Nicht nur Krankenhäuser klagen über fehlendes Pflegepersonal. Auch in der Altenpflege gibt es ein Defizit an Auszubildenden. Laut Statistik sind die Arbeitgeber selbst für den Mangel verantwortlich. Viele Jahre lang wurden Ausbildungsplätze in der Kranken- und Gesundheitspflege abgebaut, es gibt aber durchaus motivierte Menschen, die in diesen Bereichen tätig werden wollen.

Der Ursprung des Fachkräftemangels und die Verbindung zum Pflegenotstand

Seit Jahren gibt es zu wenige Menschen, die in der Pflege arbeiten, das ist der sogenannte Pflegenotstand. Die Tatsache, dass auf dem Arbeitsmarkt keine entsprechend qualifizierten Fachkräfte zur Verfügung stehen, um offene Stellen zu besetzen, nennt sich Fachkräftemangel. Die Folgen dieser Anomalien für Unternehmen ist die schlechte Verfügbarkeit von Pflegefachkräften, aber auch anderer Mitarbeiter. Die Nürtinger Zeitung berichtete am 02.09.2020 über den deutlichen Rückgang von Lehrverträgen in der Region Stuttgart, rund 20 % über alle Branchen. Das Problem ist also bekannt und von vielen Seiten gibt es gute Ideen und Vorschläge, wie man diesem Notstand entgegenwirken kann. Und doch besteht das Problem weiterhin. Eine mögliche Lösung ist, selbst auszubilden und die Auszubildenden dann zu übernehmen. So macht es die WGfS GmbH, ein Familienunternehmen aus dem Landkreis Esslingen: Neben 230 Mitarbeitern beschäftigt das Unternehmen 52 Azubis in drei Pflegeheimen mit Wohngemeinschaftscharakter, zwei betreuten Wohngruppen und einem ambulanten Pflegedienst und versucht möglichst viele davon anschließend in eine Festanstellung zu übernehmen.

 

Ausbildungsstop? Nein Danke!

Während viele Unternehmen rund um Stuttgart also die Anzahl an Ausbildungsplätzen reduzieren müssen, stellt die WGfS 2020 so viele neue Auszubildende ein wie nie zuvor: 31 Auszubildende und zwei dual Studierende begannen Anfang September 2020 ihre Laufbahn in Filderstadt. Doch warum nimmt die Geschäftsführung so ein Risiko auf sich, gerade in Zeiten von Corona, und bildet mehr Azubis als in den Vorjahren aus? „Der Fachkräftemangel beschäftigt unsere Branche seit Jahren, damit sich diese Problematik nicht noch weiter verschlimmert, müssen wir auch jetzt Ausbildungsplätze schaffen und besetzen. Wenn jeder nach Mitarbeitern sucht, aber niemand ausbildet, fehlen langfristig mehr und mehr Fachkräfte.“, weiß Rosemarie Amos-Ziegler, Geschäftsführerin der WGfS GmbH. Sie gibt schon seit Jahrzehnten vielen und vor allem jungen Menschen eine Chance auf einen Start in ein spannendes Berufsleben. Dabei trägt Sie das Risiko, dass die investierte Zeit und das investierte Geld verloren gehen, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach der Ausbildung das Unternehmen verlassen.

 

Gleiche Chancen für alle, auch in der Ausbildung

Besonders wichtig ist der WGfS seit jeher, dass alle dieselben Chancen erhalten. Wer sich engagiert, sich anstrengt und Mitmenschlichkeit zeigt, ist bei dem Pflegeunternehmen auf den Fildern richtig. Unabhängig von Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, Hautfarbe, Religion, Herkunft u.a. wird jeder als Mensch und Teil der WGfS Familie wahrgenommen. Von dieser Firmenpolitik profitieren vor allem, aber nicht nur, Menschen ohne Berufsausbildung oder Migranten mit Fachkenntnissen aber fehlenden oder ausbaufähigen Deutschkenntnissen. Jeder erhält eine Chance auf eine Berufsausbildung und auf eine Karriere im Unternehmen.

 

Wie systemrelevant die Pflegebranche ist

In den letzten Monaten hört und liest man oft, wie wichtig die Pflege von Kranken in unserer Gesellschaft ist, „systemrelevant“ ist das Schlagwort. Doch mindestens genauso wichtig wie die Pflege von kranken Menschen ist auch die Pflege von alten Menschen, oft und gerade in der Pflege gibt es auch eine Mischung dieser zwei Aspekte. Auf systemrelevante Berufe kann nicht verzichtet werden, auch wenn diese Menschen ihre Gesundheit oder gar ihr Leben im Alltag riskieren. Berufe im Gesundheits- und Pflegebereich rücken gerade in Krisenzeiten in den Fokus, doch ad hoc können Pflegekräfte nicht ausgebildet werden, deshalb ist eine vorausschauende Ausbildungsplanung wichtig.

 

Mittelständler gegen den Pflegenotstand

Daniel Splettstößer, ebenfalls Geschäftsführer bei der WGfS, betont „gerade in Zeiten von Corona wirkt defensives Ausbildungsverhalten verlockend. Kleinere, aber auch junge Unternehmen mit wenig Rücklagen müssen Risiken vermeiden, um zu überleben. In Zeiten wie diesen liegt es am deutschen Mittelstand, die richtigen Entscheidungen zu treffen und genau das tun wir: wir bilden heute die Pflegefachkräfte von morgen aus und kämpfen so gegen den Pflegenotstand und den Fachkräftemangel.“ Die gesellschaftliche Verantwortung auszubilden trifft jeden Betrieb und in Krisenzeiten ist sie besonders hoch, trägt sie doch maßgeblich zur Zukunft der jeweiligen Branche und auch der Gesellschaft bei.

 

Fazit

Mittelständler wie die WGfS GmbH sind nicht nur systemrelevant, sie beugen auch zukünftigen Krisen durch vorausschauendes Handeln vor und tragen das Risiko fast selbstverständlich selbst, zum Wohle der Gesellschaft. Damit handelt das Unternehmen konträr gegen die allgemeine Marktstimmung des Zurückhaltens und Abwartens. Von 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Traditionsunternehmens auf den Fildern sind über 50 ehemalige Auszubildende des Unternehmens beschäftigt. Die Vorteile dieser Strategie sind vielfältig: Der Zugriff auf qualifizierte Fachkräfte, weniger Kosten für die Einarbeitung, weniger Fehlbesetzungen und vor allem eine Identifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Firmenwerten. Besonders profitiert das Unternehmen von der vielfältigen Belegschaft, in der die inneren Werte zählen. Seit über 30 Jahren ist das Familienunternehmen in Pflege und Betreuung auf den Fildern aktiv und weiß daher, wie wichtig die eigene Arbeit für die Menschen in der Region ist, schließlich hat fast jeder Mensch Freunde oder Familie, die Unterstützung brauchen. Das Unternehmen soll auch weiterhin dem klassischen deutschen Mittelstand angehören, diese Vision teilen Geschäftsführung, Führungskräfte, aber auch Mitarbeiter. Und der aktuelle Erfolg gibt ihnen recht.